Im Januar 2008 gründete sich die Antifaschistische Linke Münster. Entstanden sind wir aus einem Vorläuferprojekt, der Antifaschistischen Aktion Münster, die nur ein Jahr lang bestand. Wir starteten mit dem Anspruch, eine öffentlich wahrnehmbare und ansprechbare Antifa-Gruppe in der Stadt werden zu wollen. In unserem ersten Jahr waren wir sehr aktiv, mobilisierten zu zahlreichen Protesten, führten die monatliche Veranstaltungsreihe mit dem Namen „Searchlight“ fort, organisierten ein Konzert am 8. Mai, dem Tag der Befreiuung vom Faschismus und vieles mehr. Anlässlich unseres 10-jährigen Geburtstags werden wir nun 10 plus 1 Schlaglichter auf zehn Jahre Antifa-Arbeit in unserer Stadt werfen. Wir haben Aktionen und Erreignisse ausgewählt, die auch rückblickend betrachtet wichtig für unsere Gruppe waren. Natürlich fallen bei der Auswahl viele Dinge unter den Tisch. In der Gesamtheit entsteht dann aber doch ein Eindruck davon, wie vielfältig Antifa-Arbeit ist.
2008
Beginnen wollen wir mit einem Foto von dem ersten Blockadetraining, das wir organisierten. Es fand im August in der Grünanlage am Kanonengraben statt und diente der Vorbereitung für die großen Proteste im September in Köln. Dort wollte die „Bürgerinitiative pro NRW“ einen „Internationalen Anti-Islamisierungskongress“ abhalten. Daraus wurde aber nichts, weil 10.000 Antifaschist*innen alle Zugänge zum Heumarkt blockierten. Ein echter Dämpfer für die Rechten. „Das Desaster von Köln dürfte ihre Attraktivität bei möglichen MitstreiterInnen deutlich reduziert haben. Das wird den eh ins Stocken geratenen NRW-weiten Ausbau ihrer Organisation weiter behindern“, schrieben wir im Anschluss in der zweiten Ausgabe unserer Flugschrift „Antifa-Print“.
Tatsächlich gelang „pro NRW“ nie der große politische Durchbruch. Ihren Themen sind aber geblieben und werden heute von der AfD erfolgreich in einer Art und Weise bedient, die sich die um „Seriosität“ bemühten „pro NRW“-Funktionär*innen nicht unbedingt getraut hätten…
Uns motivierte der Erfolg von Köln an dem Konzept der Massenblockaden festzuhalten, was dann zwei Jahre später auch in Dresden sehr erfolgreich angwendet werden sollte.
Rechte Spinner versuchten übrigens im Internet unser Aktionstraining zu skandalisieren. Doch die Polizei Münster blieb cool: „Die Polizei schenkte dem Treiben auch keine Beachtung. ‘Warum auch?’, fragt Polizei-Sprecher Alfons Probst: ‘Das ist nicht strafbar.’ Aktionen dieser Art seien kein neues Phänomen.“ (WN vom 26.08.2008).
2009¶
Da sich die kapitalistische Krise nach Insolvenz der Investmentbank „Lehman Brothers“ im September 2008 verschärfte, versuchten wir uns an der Analyse und Diskussion dieser Erschütterungen und den nachfolgenden Veränderungen. Wir wollten also auch „die K-Frage stellen“, wie es die „Interventionistische Linke“ anlässlich eines Kongresses in Frankfurt ausdrückte. Im Dezember 2008 luden wir deshalb in die FH zu einer Podiumsdiskussion mit Werner Rätz (IL) und Steffen Frank (Konkret). Einen Teil der Veranstaltung könnt ihr im „Antifa-Print“, Ausgabe 3, nachlesen.
Im Oktober 2009 folgte dann eine Veranstaltung mit Karl-Heinz Roth. Die Folgen der Krise, ihrer Metamorphose von einer Finanz- hin zu einer Staatsschuldenkrise sowie die auch als Reaktion auf die Krise zu deutende Zunahme rechtspopulistischer und autoritärer Bewegungen und Regierungen in Europa, machen uns noch immer zu schaffen.
In einer weiteren Podiumsdiskussion befassten wir uns 2009 mit der Revolte gegen das iranische Regime. Daneben gab es in diesem Jahr viele Veranstaltungen unserer Reihe „Searchlight“, Proteste gegen Studiengebühren und selbst ernannte „Lebensschützer“, Unterstützung einer Hausbesetzung in der Grevener Straße sowie eine Soli-Party in der Baracke, die dank des Ordnungsamtes von der Polizei gestürmt wurde. Die hetzte einen Polizeihund auf einen Besucher, der durch Bisse verletzt wurde.
2010
Über Jahre wuchs der Aufmarsch anlässlich der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg zum größten Naziaufmarsch in Europa an. Ab 2009 starteten die Bündnisse „Dresden Nazifrei“ und „No Pasaran“ eine bundesweite Mobilisierung mit dem Ziel, den Aufmarsch zu verhindern. Bereits im zweiten Jahr gelang dies dank einer großen Kraftanstrengung: Tausende Antifaschist*innen aus dem gesamten Bundesgebiet fuhren organisiert in die sächsische Landeshauptstadt. Alleine aus Münster fuhren drei Reisebusse. Hier hatten wir u.a. zusammen mit den Jusos und der Linksjugend ein lokales Bündnis geschmiedet.
Dresden im Februar, das waren lange Reisen in der Nacht, Schnee und Kälte vor Ort und zum Teil brenzlige Situationen in den Nebenstraßen und auf den Rastplätzen. 2010 gelangte unser Konvoi so früh in die Stadt, dass wir mit den Bussen quasi bis zum Blockadepunkt fahren konnten. 2011 mussten wir dann schon am Rande der Autobahn raus und stießen früh auf Berliner Polizeihundertschaften. Aber auch diesmal waren wir und viele tausend andere Antifaschist*innen nicht zu stoppen. Massenblockaden verhinderten den Aufmarsch zum zweiten Mal in Folge. 2012 war dann seitens der Nazis erst mal Schluss mit dem einst größten Naziaufmarsch Europas.
Im Nachhinein stellte sich übrigens heraus, dass AfD-Politiker Björn Höcke 2010 mit seinen Kamerad*innen im blockierten Naziaufmarsch feststeckte. Blockaden der AfD haben bei uns also auch eine gewisse Tradition.
2011
Es gibt einige in unserer Gruppe, die sagen, dass unsere Diskussionsrunde über „Genova 2001 – 10 Jahre danach“ eine der besten Veranstaltungen war, die wir je gemacht haben. Das Interesse, die Erfahrungen aus den Protesten anlässlich des G8-Gipfels 2001 in Italien zu reflektieren, war auf jeden Fall groß. Der „Club Courage“, ein mittlerweile leider nicht mehr existenter linker Veranstaltungsort, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Eingeladen hatten wir (in Kooperation mit der Münsteraner „Gruppe B.A.S.T.A“) drei Aktivisten, um über ihre Erlebnisse in Genua zu und die Folgen zu berichten. Wir wollten damit ein Stück linker Bewegungsgeschichte erzählen und zur Diskussion stellen; wollten Menschen, die „damals“ dabei waren, mit jenen zusammenbringen, die nicht vor Ort waren, für die „Genua“ aber ein Bezugspunkt, vielleicht gar ein Mythos ist. Ein ausführlicher Bericht über die Veranstaltung erschien wenig später in der Ausgabe 45 der Zeitschrift „Arranca“.
Die Tage von Genua wurden von exzessiver Polizeigewalt und Straßenschlachten begleitet. Am 20. Juli erschoss die italienische Polizei den militanten linken Aktivisten Carlo Guiliani. Am Jahrestag seiner Ermordung demonstrierten ca. 40 Leute in Münster unangemeldet und farbenfroh durch die Innenstadt.
2012 -1
Ende 2011 wurde bekannt, dass Nazis für den 3. März 2012 einen Aufmarsch in Münster angemeldet haben. Zu diesem Zeitpunkt existierte seit gut zwei Jahren eine Nazi-Kameradschaft, die sich „Nationale Sozialisten Münster“ („nasoms“) nannte und einige kleiner Flugblattverteilungen und Plakataktionen durchgeführt hatte, in der Stadt aber „kaum wahrnehmbar“ war, wie wir im September 2011 werteten. Aber die Kameradschaft, die im Stile der „Autonomen Nationalisten“ auftrat, war innerhalb der Nazi-Szene gut vernetzt, so dass sie mit maßgeblicher Unterstützung von Nazis aus Hamm einen Aufmarsch in Münster plante. Die letzten beiden Nazi-Aufmärsche hatten 2006 im Hansaviertel (nach wenigen Meter blockiert!) und in Hiltrup (aufgrund von Blockaden verkürzt) stattgefunden.
Auf den Erfahrungen in Münster und auch in Dresden aufbauend, beteiligten wir uns an der Initiierung eines neuen spektrenübergreifenden Bündnisses: Das„Keinen Meter den Nazis“-Bündnis. Angetreten mit dem Ziel den Naziaufmarsch – wie in Dresden – zu blockieren, gelang zwar eine große Mobilisierung der antifaschistischen Kräfte, aber dank eines polizeilichen Ausnahmezustands im Stadtteil Rumphorst konnten die Nazis dennoch laufen. Das Verhalten der „polizeilichen Besatzungsarmee“ sorgte im Viertel auch im Nachgang für großen Ärger. In einer umfangreichen Dokumentation zogen wir ein Resümee der Proteste. Mit den „NaSoMs“ war es Ende des Jahres dennoch vorbei, sie mussten sich eingestehen, dass Münster kein gutes Pflaster für sie ist.
Das „Keinen Meter“-Bündnis besteht bis heute fort – zur Zeit tritt es vor allem dann auf den Plan, wenn die AfD öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen macht. Aber auch 2012 und 2013 war es vielfach gefordert, weil die NPD, „pro NRW“ und „pro Deutschland“ in Münster Kundgebungen abhielten. Besonders in Erinnerung blieb der NPD ihr Auftritt 2013. NPD-Chef Holger Apfel schrieb danach, er sei ja schon einiges an „Polizeiwillkür“ und „linken Abschaum“ gewohnt, aber „das Erlebte stellt alles in den Schatten“. Gerne geschehen!
2012 – 2
Weil wir der historischen Wahrheit verpflichtet sind, gibt es ausnahmsweise noch einen Beitrag über das Jahr 2012. Nachdem der Rat der Stadt Münster beschlossen hatte, den Hindenburgplatz in Schlossplatz umzubenennen, liefen einige konservative und extrem rechte Münsteraner*innen Sturm. Sie wähnten Tradition und Kultur bedroht, sollte der Reichspräsidenten Hindenburg, der sich als Steigbügelhalter Hitlers profilierte, nicht länger geehrt werden. Sie sammelten genug Unterschriften, um einen Bürgerentscheid über die Rückumbenennung in Hindenburgplatz durchzusetzen. Eine geschichtspolitische Debatte entbrannte und auch eine Bürgerinitiative „Schlossplatz bleibt“ bildete sich.
Welche Rolle sollten wir in der Auseinandersetzung spielen? Klar war: Der hanebüchenen Unsinn, der von Seiten der pro-Hindenburgplatz-Fraktion verbreitet wurde, kann nur mit gnadenloser Überspitzung beantwortet werden. Also setzen wir gemeinsam mit vielen Freund*innen die Pickelhaube auf und gründeten gemeinsam die „Hindenburg Jugend“. Denn: „Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die Initiative ‘Pro Hindenburgplatz’ jedoch als bisweilen linksliberal argumentierende Luftnummer, die es scheut, sich klar und konsequent zu den Idealen des großen Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg zu bekennen.“ Die „Hindenburg Jugend“ hingegen bekannte sich aufrichtig zum Militarismus und forderte: „Wer Hindenburg nicht liebt, soll Münster verlassen!“
Fortan warb sie nicht nur für ihre Forderungen, sondern machte sie auch daran, die „unsägliche Nutzung des Platzes zu Ehren des Siegers von Tannenberg als Rummelplatz und Parkmöglichkeit“ zu unterbinden. Anlässlich Hindenburgs 78. Todestages wurden Kartoffeln auf dem Platz gepflanzt: „Bereits während des Zweiten Weltkriegs wurde die Münsteraner Bevölkerung durch Kartoffelfelder auf dem Hindenburgplatz ernährt. Was damals richtig war, kann auch in der aktuellen Krise nicht falsch sein. Auch in den heutigen Zeiten bedarf es einer einer Versorgung der Münsteraner aus dem Herzen der Stadt anstelle billiger Importfrüchte aus dem Süden. Dafür wurde nun der Grundstein gelegt – ‘Preußens Gloria’ gedeiht auf dem Hindenburgplatz und wird bald die Münsteraner ernähren. Die Hindenburg Jugend Münster prophezeit eine reiche Ernte, denn der Boden von Deutschlands größter innerstädtischen Freifläche ist fruchtbar. Jahrelange Düngung durch Reisebusse aus dem Sauerland und den Niederlanden haben ihn in einen der nährstoffsreichsten Acker der Stadt verwandelt“, wurde dem Volke mitgeteilt.
Aufgrund der Beteiligung von JuSos an den Aktionen entstand das hartnäckige Gerücht, die „Hindenburg Jugend“ sei der sozialdemokratischen Phantasie entsprungen. Unsere Klarstellung, man kenne nicht länger Parteien, sondern nur noch Deutsche, wurde leider ignoriert. Also bekennen wir uns hier und jetzt zu unserer Beteiligung an Münsters einzig aufrechter Jugendorganisation (derzeit im niederländischen Exil).
2013
In diesem Jahr nahm die Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex und dessen „Aufarbeitung“ einen großen Raum ein. Die Selbstenttarnung des NSU im November 2011 hat auch uns geschockt. Wenig später, im März 2012, luden wir Referent*innen des apabiz aus Berlin zu einem ersten Vortrag zum Thema „’Kein 10. Opfer!’? – Nationalsozialistischer Untergrund, Rechtsterror und die Rolle des Staates“ nach Münster ein. Im November 2012 referierte dann die Landtagsabgeordnete Katharina König zum Thema. (nachhören)
Nach und nach kamen weitere Details über das Nazi-Netzwerk, den institutionellen Rassismus in den Ermittlungsbehörden und die Verstrickungen der Geheimdienste ans Tageslicht. Wir versuchten mit unterschiedlichen Mitteln, die notwendige Forderung nach Auflösung der Verfassungsschutzbehörden auf die Tagesordnung zu setzen, die wir nicht nur mit der Verstrickung der Geheimdienste in die Nazi-Szene begründeten. Über den Verfassungsschutz schrieben wir, dass er „seit jeher ein Instrument der herrschenden Politik ist um mittels eines willkürlichen Extremismus-Vorwurfes politische Positionen als antidemokratisch und verfassungsfeindlich zu stigmatisieren und deren Vertreter*innen aus der politischen Diskussion auszugrenzen.“
Während wir im November 2012 die Demonstration vor dem „Bundesamt für Verfassungsschutz“ in Köln-Chorweiler unterstützten, organisierten wir im Mai 2013 eine Busanreise der kurz vor Beginn des Münchener NSU-Prozesses stattfindenden Demo „Gegen Naziterror, staatlichen und alltäglichen Rassismus! Verfassungsschutz abschaffen“. Der Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex diente auch das Gastspiel des Nö-Theaters im April 2013 in Münster.
Bis heute sind wir am Thema geblieben, zahlreiche weitere Veranstaltungen, Mobilisierungen zu den Gedenkveranstaltungen in Dortmund, eine symbolische Straßenumbenennung und Redebeiträge folgten (zuletzt diesen hier)
Dank treuer Unterstützung aus der Politik gelang es den Verfassungsschutzbehörden aber nicht nur ihrer Auflösung zu entgehen, sondern ihre Kompetenzen und Möglichkeiten sogar noch auszubauen. Ihre Praxis hat sich seitdem nicht verändert: verwiesen sei auf die jüngst bekannt gewordenen Kontakte von BfV-Chef Maaßen zu führenden AfD-Politikter*innen oder die Lügen über V-Leute im Umfeld des islamistischen Terroristen Anis Amri.
2014
Wenn wir ein Ranking machen würden mit den Städten, wo wir am häufigsten bei antifaschistischen Aktionen waren, dann wäre das Ergebnis eindeutig: Dortmund und Hamm. Nicht verwunderlich, ist doch in beiden Städten seit Jahren eine große Nazi-Szene zu verzeichnen, die seit dem Jahr 2000 bzw. 2003 zahllose Aufmärsche durchführte. Außerdem liegen beide Städte ja auch in der Nachbarschaft Münsters.
In der öffentlichen Wahrnehmung fällt Hamm stets hinter Dortmund zurück. Wir entschlossen uns vor geraumer Zeit, besonders die aktiven Genoss*innen in Hamm zu unterstützen. Neben der Antifa bildete sich dort mit dem „Haekelclub 590“ ein Bündnis, dem erstmals wieder größere Gegenmobilisierungen gelangen und dass zudem zahlreiche andere Aktionen und Veranstaltungen organisierte. Gemeinsam versuchten wir auch in Hamm einen regelmäßigen Naziaufmarsch zu blockieren. Bewusst wählten wir für eine Vorabenddemo am 2. März 2012 auch Hamm und nicht Münster. Unsere Gründe legten wir unter anderem in einem gemeinsamen Text mit der Antifa Hamm dar.
Wir machen uns noch immer dafür stark, dass Antifaschist*innen aus Münster regelmäßig zu Aktionen nach Hamm fahren. Es kann schließlich nicht angehen, es sich hier in einer Stadt ohne organisierte Naziszene in den subkulturellen Nischen bequem zu machen und die Menschen dort in ihrer Auseinandersetzung alleine zu lassen. Ein aktueller Brennpunkt in Hamm ist das „Nationale Zentrum“ am Kentroper Weg, dass sich zu einem überregional wichtigen Veranstaltungsort für Rechtsrock-Konzerte entwickelt hat.
2015
Die Beschäftigung mit dem historischen Faschismus ist für uns als Antifa-Gruppe selbstverständlich. Jedes Jahr beteiligen wir uns an der Gedenkkundgebung am 8. Mai, so auch 2015 anlässlich des 70. Jahrestags der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands, dem Tag der Befreiung. 2015 fand neben der Kundgebung auch eine Demonstration statt. Der 8. Mai ist in Deutschland kein offizieller Gedenktag, aber er ist ein „Tag der Antifa-Bewegung“, wie wir bereits 2008 festhielten.
Doch über die Freude darf nicht vergessen werden, „dass diese Befreiung für all jene Menschen zu spät kam, die von den Nazis ermordet wurden.“ Die Schicksale der Opfer stehen deshalb bei den Veranstaltungen im Vordergrund. Gemeinsam mit der VVN/BdA bemühten wir uns am 8. Mai stets auch ein Zeitzeug*innen-Gespräch zu organisieren. So sprach beispielsweise 2008 die Holocaust-Überlebende Celine van der Hoek aus Amsterdam bei der Kundgebung. Mittlerweile sind die meisten Zeitzeug*innen der Nazi-Barbarei verstorben. Celine starb am 30. September 2011 im Alter von 91 Jahren.
Um die Stimmen der Überlebenden nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen, müssen wir neue Wege gehen. 2015 stellten wir deshalb Celines Leben in den Mittelpunkt unserer Rede, die Audiomitschnitte ihrer Berichte enthielt. In diesem Jahr zeigten wir im Cinema ein filmisches Porträt der jüdischen Partisanin Fania Yocheles-Brantsovskaya aus Litauen.
2016
Im Sommer 2015 wurde die „Flüchtlingskrise“, die eigentlich eine Krise der Festung Europa ist, zu dem bestimmenden Thema in der Öffentlichkeit. Wegen Kriegen und wirtschaftlicher Not sowie in der Hoffnung auf ein besseres Leben haben sich Hunderttausende auf den Weg Richtung Europa gemacht. „Für eine kurze Zeit waren Grenzen offen und das unmenschliche Dublin-System faktisch außer Kraft gesetzt“, schrieben wir in einem Aufruf.
Auf den kurzen Sommer der Migration, der von einer „bislang ungekannten Welle der praktischen Solidarität mit Geflüchteten“ einher ging, folgte aber ein Herbst und Winter, die geprägt waren von zahlreichen Asylrechtsverschärfungen und rassistischen Mobilisierungen. Letztere entstanden nicht erst 2015, sondern begleiteten die Debatte um Flucht und Asyl bereits seit 2012. Wir mussten feststellen: „Kaum ein Tag vergeht ohne rassistisch motivierte Angriffe auf Menschen oder Unterkünfte für Geflüchtete. Keine Woche vergeht ohne Dutzende Aufmärsche von Rassist*innen jeglicher Coleur, die teils in pogromartigen Ausschreitungen enden. […] Der deutsche Mob ist 2015 in Volksfeststimmung – mit SixPack und Benzinkanister.“
Auch in Münster wurden zwei Brandanschläge auf eine noch unbewohnte Unterkunft für Asylsuchende im Stadtteil Hiltrup verübt. Zusammen mit dem „Bündnis gegen Abschiebungen“ riefen wir zu einer Kundgebung auf.
Die Täter, zwei junge Erwachsene aus dem Stadtteil, konnten kurz nach der zweiten Tat verhaftet werden. Während in Münster die rassistische Motivation nicht verleugnet werden konnte, forderte die Verharmlosung von Anschlägen, wie jener 2012 in Hopsten, immer wieder unsere antifaschistische Intervention heraus.
Der Kampf für die Rechte von Geflüchteten und Migrant*innen ist fester Bestandteil antifaschistischer Politik. EIn Kampf, der heute notwendiger denn je ist.
2017
Kommt Leute, das ist ja gar nicht so lange her. Deswegen nur ein paar Stichworte. Sicherlich stand die Auseinandersetzung mit der AfD im Vordergrund. Ihr erinnert euch sicherlich noch an die große Kundgebung des „Keinen Meter“-Bündnisses im Februar auf dem Prinzipalmarkt. Anlass war ein Neujahrsempfang der extrem Rechten mit Frauke Petry. Es folgte weitere Kundgebungen gegen AfD-Veranstaltungen in Gremmendorf und Hiltrup. Mit der Kampagne „Keine Stimme der AfD“ setzten wir und andere Antifaschist*innen den Wahlkämpfen der AfD etwas entgegen. Auch wenn unsere Aktivitäten sicherlich nicht das ausschlaggebende Punkt waren, einen Teil werden sie dazu beigetragen haben, dass die AfD in Münster bei der Bundestagswahl ihr schlechtestes Ergebnis einfuhr.